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Stress verhindern, Burnout vermeiden

Immer mehr Menschen klagen heute über Stress. Nicht nur wie früher die Führungskräfte („Managerkrankheit“), sondern geradezu Jedermann. Selbst Kinder scheinen schon zunehmend darunter zu leiden. Seit einiger Zeit gibt es sogar den Freizeitstress.

Sitzen Sie auch in der Stressfalle? Oder fühlen sich gefährdet und wollen es nicht bis zum Burnout kommen lassen? Dann denken Sie daran: Ein großer Teil des Stress ist von uns selbst verursacht.

Bei diesem „hausgemachten“ Stress handelt es sich um über die Lebenszeit erworbene Verhaltensmuster, die wir bereits seit langem so sehr verinnerlicht haben, dass wir einen anderen Zustand gar nicht mehr kennen und ihn deswegen über weite Strecken als Normalzustand empfinden. Diese Muster bauen sich durch Erziehung, Vorbilder, Regeln und ein eigenes subjektives Erleben auf und bestimmen unsere (geistige) Reaktion auf die Reize der Umwelt. Das tückische an dieser Situation ist, dass diese Muster schon so lange von uns gehegt und gepflegt wurden und werden, dass sie sich bereits tief in unser Gehirn eingegraben haben und uns gar nicht mehr auffallen und als Normalzustand wahrgenommen werden.

Die folgenden Beispiele von häufigen Verhaltensweisen zeigen auf, wo wir ansetzen können, um Stress nachhaltig abzubauen.

 

Zeitdruck

Tüchtigkeit und Wert eines Menschen wird in unserer Gesellschaft vielfach daran gemessen, dass er viele und enge Termine wahrzunehmen hat. Längere Zeit wurde es sogar als Merkmal eines Top-Managers gesehen, wenn man frühestens in einem Monat einen Termin bei ihm bekommen konnte.

Wer hat heute noch Zeit? Möglicherweise ist nicht einmal mehr die Zeit vorhanden, seine eigenen Gefühle wahrzunehmen. Angenehme und unangenehme Gefühle werden abgeblockt oder ignoriert. Der Mensch stumpft ab, sowohl in körperlicher als auch geistiger Hinsicht. Wenn nun ein solcher Mensch doch einmal Gefühle erleben möchte, so braucht er eine höhere Dosis. Die einfache Liebe reicht nicht mehr aus, es muss ein Seitensprung oder ein anderes Abenteuer sein; statt einfacher sportlicher Betätigung muss es eine Extremsportart sein, um den gewünschten Effekt zu erreichen. Diese Ansprüche wiederum münden in erneutem Stress. Und als ob dieser unheilsame Kreis nicht bereits genug wäre! Durch die zuvor beschriebenen Symptome geht zusätzlich nach und nach das Gefühl für die natürlichen Grenzen des Körpers verloren. Kurzfristig scheint es sogar ein Vorteil zu sein, weniger Schlaf und mehr Arbeitszeit zu haben. Die Hilfeschreie des Körpers wie Anspannung der Sinne und Schmerzen (Nacken, Kopf, Rücken) werden ignoriert oder mit Medikamenten, Drogen und Genussmitteln unterdrückt – man ist der Meinung, sich später (wann?) darum kümmern zu können. Dieser Weg endet in letzter Konsequenz im Burn-Out-Syndrom, aus dem man sich nur noch mit professioneller Hilfe befreien kann.

 

Mangelnde Prioritäten

Viele tun sich schwer, Prioritäten für ihre Handlungen und Tätigkeiten zu setzen; alles ist ihnen wichtig, alle Dinge müssen zugleich erledigt werden, nichts kann warten oder zurückgestellt werden. Der Stress setzt dadurch ein, dass unser Gehirn nicht dafür gemacht ist, mehreren Dingen zugleich ungeteilte Aufmerksamkeit zu schenken. Auch wenn es uns so erscheint als würden wir viele Dinge zugleich tun, so ist es eigentlich ein ständiges schnelles Umschalten des Gehirnes zwischen diesen Tätigkeiten, wodurch es sehr stark beansprucht wird. Die Folgen: sinkende Arbeitsqualität und unnötiger Zeitverlust durch notwendige Nachbesserungen. Ein häufiges Stress-Symptom ist hier der Ärger, der sich gegen die ganze Umgebung, die als unfähig angesehen wird, oder auch gegen sich selbst richtet – möglicherweise auch Frust, wenn die fertig gestellten Arbeiten und der geleistete Einsatz (die der Betroffene selbst ja als extrem wichtig ansieht) von den Vorgesetzten nicht ausreichend gewürdigt werden. Dieses Muster führt zu einem hohen psychischen Druck und einer dauerhaften geistigen Anpassung, die in einem Burn-Out Syndrom oder tiefer Depression enden können.

 

Ständiges Misstrauen

Wer Niemandem traut, kann nicht delegieren. Man meint, alles selbst erledigen zu müssen. Diese Einstellung verstärkt die beiden zuvor beschriebenen Stressursachen. Wenn dann einmal etwas delegiert werden muss, so glaubt man, laufend kontrollieren und prüfen zu müssen. Aus der damit verbundenen nervlichen Anspannung ergibt sich meist erhöhte Reizbarkeit.

Misstrauen kann so weit gehen, dass sich die Person nicht einmal mehr selbst vertraut und damit einem enormen psychischen Stress bis hin zum Zusammenbruch ausgesetzt ist.

 

Unerfüllte Erwartungen

Unsere Erwartungen an Situationen, andere Menschen und uns selbst werden oftmals nicht perfekt erfüllt. Das löst in uns ein Gefühl des Kontrollverlustes, der Unsicherheit und damit Stress aus. Ein fataler Teufelskreis ergibt sich dann, wenn wir überzogene Erwartungen nicht nur der Arbeit gegenüber aufbauen, sondern auch unserem gesamten Leben gegenüber, das uns Zufriedenheit, Glück, Freude und auch Stressfreiheit bringen soll. Besonders die Erwartungshaltung der Stressfreiheit erzeugt meist noch zusätzlichen Stress. Damit wird das Gegenteil von dem erreicht, was gewollt war. Entspannung lässt sich nicht durch Tun und Wollen erzwingen, sondern ergibt sich vielmehr aus Akzeptanz und Loslassen!

 

Rollenzwiespalt

Unsere Mitmenschen erwarten von uns, dass wir bestimmte Rollen einnehmen. Zumindest meinen wir dies. Wenn sich diese tatsächlichen oder vermeintlichen sozialen Rollenerwartungen zu sehr von unserer natürlichen Persönlichkeit unterscheiden, muss unser Gehirn ständig diesen Zwiespalt überwinden, was sich in einer realen körperlichen Bedrohung auswirkt. Es entsteht eine dauerhafte Grundbelastung, die unsere Fähigkeit mindert, gelassen auf unerwartete und ungeplante Situationen zu reagieren. Besonders verstärkt sich dieser Effekt, wenn mit der Erfüllung von Rollen Gefühle wie Ärger, Hass oder auch Glück, Freude und Zuneigung unterdrückt werden.

 

Schlussbemerkung

Wer mehr darüber erfahren will, wie Stress entsteht und diesem Übel zu begegnen ist, findet in dem u.a. Arbeitsheft einen bewährten Ratgeber.

Der Text ist ein gekürzter Auszug aus Gerald Schinagel: Anti-Stress-Training, Autogenes Training mit Yoga und Meditation, 5. Aufl., Windmühle 2016